10th European Congress of Trauma and Emergency Surgery vom 13. bis 17. Mai 2009 in Antalya, Türkei
Bilder vom Congress: hier
Abstract vom Congress: hier
Sehr geehrte SGTV Mitglieder,
Vom 13.-17. Mai fand in Antalya, Türkei, der 10. Europäische Kongress für Trauma und Notfallchirurgie (veranstaltende Gesellschaft: European Society for Trauma and Emergency Surgery (ESTES)) statt. Auf unserer website finden Sie ab heute den Kongressbericht (Türkisches „Tagebuch“), das ganze Kongressprogramm mit den abstracts der freien Mitteilungen und Posters, den Bericht über das Sektionsmeeting der Sektion „Skeletal Trauma and Sports Medicine“, das Protokoll der Generalversammlung der ESTES und einige persönliche Photos vom Kongressort (für weitere Photos verweise ich auf die ESTES-Website www.estesonline.org).
Es war ein sehr interessanter, ausgezeichnet organisierter und spannender Kongress an einem wunderschönen Ort zu einer wunderschönen Jahreszeit. Bereits jetzt möchte ich auf den nächsten ESTES Kongress in Brüssel vom 15.-18. Mai 2010 hinweisen, den 11th European Congress of Trauma and Emergency Surgery (Kongresspräsident wird unser korrespondieres Mitglied, PD Dr. med. Stefaan Nijs, sein). Am 17. Oktober 2009 findet in Brüssel dazu ein weiteres ESTES Board Meeting statt. Ein erstes Announcement dieses Kongresses wurde bereits am SGC und SGO Kongress im Juni verteilt, ebenfalls wird das Programm an den 13. Bieler Fortbildungstagen vom 10./11. September in Biel aufliegen. Reservieren Sie sich bereits jetzt dieses Datum.
In dieser Hinsicht darf ich Sie auch (einmal mehr) ermuntern, individuelles Mitglied der ESTES zu werden. Diese Gesellschaft verdient Ihre Unterstützung, sie ist neu, aktiv und spannend. Anmeldeformulare können bei www.estesonline.org heruntergeladen werden.
Dominik Heim, national delegate der SGTV, Mitglied des ESTES Vorstand
Einleitung:
Es war ein sehr guter Kongress, es war ein sehr schöner Kongress, es war ein Kongress zum Geniessen. Er war an einem Ort, wo es zu schön war für einen Kongress (eigentlich) – man war hin und hergerissen zwischen schwimmen, konsumieren (wissenschaftlich und kulinarisch), diskutieren und arbeiten. Man traf alte Freunde wieder, man lernte neue Freunde kennen und genoss (als „Schweizer, der aus der Kälte kam“ frei nach John le Carré)) den Frühsommer am Meer. Man sprach über die Gegenwart und dachte schon an ESTES 2010 in Brüssel (und ESTES 2012 in Basel).
Location:
Der Kongress fand direkt am Meer, im riesigen Hotel Rixos Sungate (1000 Zimmer für 2000 Personen mit 1000 Bediensteten) statt. Man wurde bei Ankunft mit Elektromobils zum Zimmer gefahren in einer grünen Parkanlage. Zum Meer hinaus waren verschiedene Swimming-pools, bevor man zum Sandstrand kam, wo in kleinen Häuschen Badetücher abgegeben wurden, es ein Kebab-house hatte, eine Tanzfläche für die abendliche Freiluft-Disco, Grünflächen für Sport, aber auch einfach zum Absitzen in roten gemütlichen Sofa-ähnlichen Sesseln. Ueberall hingen Plakate der türkischen Sängerin vom Eurovisions-contest (sie wurde vierte), man dachte an Lovebugs und fand es eigentlich nicht weltbewegend. Das Hotel war all inclusive (daran musste man sich zuerst gewöhnen), einmal eingecheckt, konnte man an jeder Bar, in (fast) jedem Restaurant einfach bestellen (Raki gab es erst nach 19 Uhr), für Spätaufsteher gab es gar ein late breakfast und für Späteintreffende ein late dinner nach 24 Uhr.
Mitten in diesem ausschweifenden Hotelkomplex, befand sich ein Kongressgebäude mit 3 grossen (stark gekühlten – man war froh um einen Pullover) Kongress-Hallen und vielen kleinen Nebenhörsälen, die sehr viele Parallelveranstalten für die freien Mitteilungen erlaubte (da hatte man die Qual der Wahl und realisierte bald einmal, dass es für dieses Jahr keinen überblickenden, wissenschaftlichen Teil dieses Kongressbeitrages geben würde – man kann natürlich auch dem Meer die Schuld geben). Die grossen Hallen waren technisch/ medienmässig auf dem letzten Stand und als Besonderheit gab’s in der grössten Kongresshalle eine fahr(schwenk)bare Kamera, die den Saal bis in den hintersten Ecken (via zusätzlichem Zoom) ausleuchten konnte, da blieb auf der Leinwand vorne kein Gesicht verborgen, gekonnt schwenkte der Kameramann über all die Sitzenden und erfasste ihre Regungen und angeregten Gespräche.
Kongress und Tagesablauf: Gestartet wurde jeweils mit einem administrativen Meeting zu den ESTES-Kongressen der folgenden Jahre (Brüssel 2010, Milan 2011) und als CH-Vertreter verpasste man (nur) das erste Meeting (zu Brüssel) – irgendwie war man noch nicht im türkischen frühmorgendlichen Rhythmus drin, dann war man dann jeweils präsent (was man dann wieder nicht von allen national delegates behaupten konnte).
Nach der administrativen (und planerischen) Tätigkeit für die ESTES, ging’s dann an die (frühmorgendlichen) Sitzungen mit den freien Mitteilungen: Da trafen sich in erster Linie die Referenten und Moderatoren – es gab nicht weniger als 12 Parallelsitzungen und dies an jedem Morgen und am Nachmittag. Da galt es, sehr sorgfältig sein Tagesprogramm zu planen, und der Schreibende befand sich schon bald einmal im Dilemma seines allgemeinchirurgischen Anspruches und Spektrums. Nicht viel weniger gedrängt war das Programm der Postersitzungen/-tours – sie, die Poster, hingen kurz und mussten dann schnell den neuen Postern für die nächste Postertour am Nachmittag (jede Sektion hatte ihre eigene Tour) Platz machen, aber schlecht war nicht, was da so hing (siehe abstracts). Ueberhaupt waren die (eingeladenen) Vorträge der 5 Sektionen der ESTES (education, disaster and military surgery, skeletal trauma and sports medicine, visceral trauma, emergency surgery) interessant, spannend und litten einzig (meist) an ihrer Themenvielfalt. Die Demonstration der Versorgung von komplexen Pilon-frakturen - zum Beispiel - mit einem intramedullären Nagel, aber auch mit einem fixateur externe liessen den Zuhörer staunen, und fast wollte man sich fragen, wieso man sich mit allen den Platten denn diese Mühe nahm, wenn es doch auch einfacher zu gehen schien…Und damit musste man - einmal mehr - konstatieren, dass solche Kongresse eines ganz sicher machen – den Teilnehmer (oder wie man heute vornehmer sagt) the delegate dazu zu bringen, sein eigenes Tun zu hinterfragen und neue Eindrücke und Ideen aufzuschnappen, die man vielleicht eines Tages selbst umsetzen oder zumindest nochmals überdenken möchte.
Die Sektions-meetings über Mittag konkurrierten stark mit dem noch kühlen (ideale Wassertemperaturen) Salzwasser des angrenzenden Meeres oder Süsswasser der zahlreichen blauen, einladenden Pools. Und gar nicht selten schien das nasse Element die Nase vorn zu haben. Oder aber, ein Synthes Symposium fand gleichzeitig zum Skeletal Meeting statt: Dennoch diskutierte man in lichten Reihen die Themen von Brüssel 2010 (metaphyseal lesions of the lower extremity – tönt spannend, lässt viel Spielraum für die Präsentationen, prosthetic replacement after shoulder… siehe Protokoll der Sitzung Section Skeletal Trauma and Sports Medicine), fragte die Anwesenden, wer die Lust (und den Ehrgeiz) hätte, dort etwas vorzustellen, diskutierte die (schon fast üblichen) precourses vor dem eigentlichen Kongress, schlug pro-und contra Sessions vor und diskutierte die Möglich-/ Machbarkeit einer europäischen Studie (finanziert von der EU) über Osteoporose.
Und dem Salzwasser nochmals entsagen musste man an der Generalversammlung vom 15.5.09, wo über den Beginn von internationalen Kooperationen u.a. mit der EFORT, der AAST und weiteren europäischen und amerikanischen Gesellschaften berichtet wurde. Prof. Pol Rommens übernimmt als ESTES Präsident die Nachfolge von Prof. Selman Uraneus, als Präsident elect wird Prof. Abe Fingerhut aus Frankreich gewählt (siehe Meeting minutes General assembly 15th May 2009).
An der (leider) wenig besuchten awards and closing ceremony übergab der national delegate der SGTV, der Autor dieser Zeilen, den Congress Grant der SGTV in einer schlichten, bewusst wortkurzen (man hatte den ganzen Tag schon einiges gesprochen, diskutiert und geredet) Zeremonie an Dr. Takhirjan Shadmanov aus Uzbekistan, der sich dafür herzlich bedankte (auch die ESTES dankt der SGTV für diese finanzielle Geste und hofft auf Wiederholung in Brüssel 2010). Sein Interesse gilt der Kindertraumatologie und er hofft, dass er mit dieser Auszeichnung vielleicht auch einmal in der Schweiz einen fellowship machen darf.
Und wenn am Abend dann die Aufnahmefähigkeit bei den nochmaligen‘ zweiten Sitzungen des Tages für die freien Mitteilungen deutlich abnahm und die Versuchungen des all inclusive immer mehr in den Vordergrund traten, dann konstatierte man, dass Antalya 2009 ein ganz gelungener Kongress war, eine gelungene Mischung aus Chirurgie/ Medizin, leisure and pleasure, und schon ertappte man sich dabei, dass man bereits wieder freien Ideen nachhing/ Ideen freien Lauf liess, die sich um Basel 2012 drehten, und stellte (nicht ganz unerstaunt) fest, dass die persönlichen Vorstellungen dazu, auch ziemlich ehrgeizig daherkamen, so, wie sie damals, als man Antalya 2009 plante, wahrscheinlich auch waren und mit dem jetzt stattfindenden Kongress dann auch realisiert werden konnten – und wenn man sich dann über die (fast) reibungslose Kongressorganisation freute (bei einer solchen medizinischen Mammutveranstaltung ein must – schon wieder der Gedanke an Basel 2012…!) und an den kommenden Abend am Meer dachte, dann war da vor allem auch dieses noch neue Gefühl einer europäischen Zusammengehörigkeit da – ein Gefühl, das seit dem Zusammengehen von ETS und EATES noch stärker geworden war, und man freute sich, dass man bei ESTES dabei war, dass mit ESTES immer mehr persönliche Kontakte entstanden waren, die einem das Gefühl gaben, in einer Familie heimisch zu sein, so wie man dies vorher am ehesten in der AO schon gefunden hatte, und schon dachte man daran, wie man wohl auch die AO bei Basel 2012 involvieren könnte…
Dominik Heim, past-president, SGTV, auf dem Weg ans AO Trustee Meeting in Chicago 17.6.09
Minutes Meeting GV Antalya 15.05.09
Bericht des Sektionsmeeting
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